Aphasie gleich Aphasie?

Aphasie gleich Aphasie?

Rund 24.000 Menschen erleiden jährlich eine Aphasie, also eine Störung der sprachlichen Fähigkeit (zu unterscheiden von Sprechstörungen wie Dysarthrien oder LRS), die durch Läsionen in speziellen Hirnarealen hervorgerufen wird. Sowohl die Sprachproduktion, als auch die Sprachverarbeitung und das Verständnis können dabei nachhaltig beeinträchtigt werden. Die häufigste Ursache für eine Aphasie ist der Schlaganfall (60-80%, der Fälle), aber auch Schädel-Hirn Traumata, Tumore oder Hirnabbauprozesse können dafür verantwortlich sein.
Doch nicht jede Aphasie ist gleich. Je nachdem welches Hirnareal wie stark beschädigt ist, gibt es 4 unterschiedliche Formen.

Amnestische Aphasie

Die Amnestische Aphasie ist die leichteste Form dieser Sprachstörung. Das deutlichste Merkmal solch einer Sprachstörung ist eine Wortfindungsstörung, die jedoch meist mittels Umschreibungen aufgelöst werden kann. Ein Patient, der unter einer Amnestischen Aphasie leidet, hat kaum Probleme beim Sprechen. Der Sprachfluss, somit die Produktion und das Sprachverständnis sind kaum gestört, wodurch Betroffene trotz der Störung eine gute Kommunikationsfähigkeit besitzen.

Broca-Aphasie

Deutlich schwerer haben es Patienten, die unter der Broca-Aphasie leiden. Die nach einem der beiden Sprachzentren benannte Sprachstörung bezeichnet eine Beeinträchtigung des motorischen Sprachzentrums im linken Frontallappen. Menschen mit dieser Aphasieform leiden häufig an einem erheblich gestörten Sprachfluss, bedingt durch eingeschränkte Sprachproduktionsmöglichkeiten. So werden beispielsweise ungrammatische Phrasen und Sätze produziert. Im Gegensatz zur Produktion ist das Sprachverständnis jedoch nicht betroffen. Broca-Aphasiker sind also in der Lage, Sätze in ihrem Gehirn zu konstruieren, zu verarbeiten und verstehen, aber es ist ihnen nicht möglich, diese korrekt zu äußern. Die Kommunikationsfähigkeit ist dadurch sehr eingeschränkt.

Wernicke-Aphasie

Patienten, die Sprache überschüssig produzieren, bei denen das Gesagte aber meist keinen Sinn ergibt, leiden unter der Wernicke-Aphasie. Eine Läsion im hinteren linken Temporallappen, wo das sensorische Sprachzentrum liegt, ist dafür verantwortlich. Betroffene sind nicht in der Lage, Sätze richtig zu verarbeiten und zu verstehen. Sie produzieren Nicht-Wörter (Neologismen) in zusammenhangslosen, jedoch grammatisch korrekten Sätzen, wodurch die Kommunikationsfähigkeit immens gestört ist. Diese Form der Aphasie bildet gewissermaßen das genaue Gegenstück zur Broca-Aphasie.

Globale Aphasie

Die schwerste Form der Aphasie ist die Globale Aphasie, die so gesehen eine Kombination aus Wernicke- und Broca-Aphasie darstellt. Durch eine flächendeckende Läsion vom Frontallappen bis hin zum Temporallappen, also der gesamten Sprachregion, sind Sprachverständnis und Sprachproduktion gleich stark beeinträchtigt. Neben schlechter Artikulation und stockendem Sprachfluss, werden Neologismen und ungrammatische Äußerungen produziert. Die sprachliche Kommunikation ist nahezu unmöglich und die Heilungschancen im Vergleich zu den anderen Formen am geringsten. 

Neben diesen vier Hauptformen, gibt es noch weitere Sonderformen, beispielsweise die Transkortikale Aphasie, die Leitungsaphasie oder die reine Worttaubheit. Je nach Schwere und Ortung der Läsion können Aphasien unterschiedlich erfolgreich behandelt werden. Wissenschaftler und Logopäden arbeiten stetig an neuen Therapieformen und Maßnahmen, um Betroffenen beste Heilungschancen zu ermöglichen.