Der Stroop-Effekt – Automatismen unseres Gehirns

Der Stroop-Effekt – Automatismen unseres Gehirns

Versuchen Sie doch einmal, die Wörter oben im Bild laut vorzulesen. Es lässt sich vermuten, dass Sie bei den Wörtern auf der linken Seite keinerlei Probleme haben, während Sie beim Vorlesen der Wörter auf der rechten Seite wahrscheinlich ins Stocken geraten?! Dies liegt daran, dass bei den Wörtern auf der linken Seite Farbe und Bedeutung übereinstimmen, wohingegen rechts diese Aspekte auseinandergehen. Vielleicht kennen Sie dieses Experiment schon – es veranschaulicht den sogenannten Stroop-Effekt.

 

Was ist der Stroop-Effekt?

Das Lesen gehört zu einem der automatisch im Gehirn ablaufenden Prozesse. Sie lesen tagtäglich, meist sogar unbewusst. Alles, was in Buchstaben von Ihnen visuell wahrgenommen wird, wird auch gelesen. Dagegen können Sie nichts tun! Wenn Sie jedoch Farben wahrnehmen und benennen sollen, kommt dieser Automatismus nicht zum Tragen, sondern ihr Gehirn muss sich bewusst damit befassen – es verlangt also weitaus mehr Aufmerksamkeit als das Lesen. Beim Stroop-Effekt konkurriert der automatisch ablaufende Prozess des Lesens mit dem Wunsch, die Farbe richtig zu benennen. Diese „Interferenz“, wie es in wissenschaftlichen Kreisen genannt wird, entsteht, weil der automatische Prozess, der normalerweise Vorrang hat, unterdrückt werden muss. So lesen Sie beispielsweise Lila, und es kommt Ihnen automatisch, also ohne, dass Sie es wollen, das Wort Lila auf die Lippen, Sie müssen es aber unterdrücken, wenn sie die Farbe, in diesem Falle Gelb, benennen wollen. Damit Ihnen das gelingt, müssen mehrere Verarbeitungsschritte im Gehirn absolviert werden. Es bedarf mehr Konzentration und Aufmerksamkeit und somit auch mehr Zeit. Ein Wort also einfach zu lesen, geht leichter, als darüber nachzudenken. Man kann dieses Spielchen sogar noch weiter treiben…

 

Kann man den Stroop-Effekt ausschalten?

Ein Team um den schwedischen Wissenschaftler Andreas Lind nutze den Stroop-Effekt, um zu zeigen, dass dieser sich nicht nur auf das Lesen beschränkt, sondern auch das Hören betrifft. In einem Versuch baten sie verschiedene Probanden, die Farbe, in der ein Wort geschrieben stand laut auszusprechen. Die untersuchten Wörter waren in etwa die gleichen, wie die auf der rechten Seite unseres Bildes. Parallel dazu wurde den Versuchsteilnehmern, ihre Stimme über Kopfhörer eingespielt – sie hörten also, was sie sagten. Womit die Probanden jedoch nicht rechneten, ist, dass die Wissenschaftler das, was gehört wurde, manipulierten. Ein Beispiel: Die Farben Grau und Grün klingen im Schwedischen sehr ähnlich. In dem Versuch sahen die Probanden unter anderem folgende Kombination:

                                                                                                     GRAU

Doch auch wenn der Teilnehmer richtig mit „Grün“ geantwortet hatte, wurde ihm per Kopfhörer das Wort „Grau“ eingespielt. Das faszinierende an diesem Versuch war, dass den Probanden diese Manipulation nicht auffiel, sondern sie sich davon sogar noch beeinflussen ließen. Wenn man den Versuchsteilnehmer darum bat, das von ihm Gesagte zu wiederholen, antworteten 85% mit „Grau“, also dem eingespielten Wort.

Die Dominanz des automatischen Prozesses wird hier sehr deutlich. Selbst wenn der Stroop-Effekt einmal erfolgreich unterdrückt wurde, kommt er bei erneuter Verarbeitung wieder durch. Manipulation lässt uns sogar gänzlich den Aufwand, den unser Gehirn betrieben hat, um ihn zu unterdrücken, vergessen.

 

Man kann sich, trotz hartem Training, nur schwer in dieser Aufgabe verbessern. Dazu sind die beteiligten Automatismen einfach zu stark. Allerdings stellt der Stroop-Effekt ein beeindruckendes Phänomen dar und zeigt erneut, wie vielseitig und verstrickt unsern Gehirn arbeitet.