Einzeltherapien werden reduziert

Einzeltherapien werden reduziert

Ob Sprachstörungen oder Rückenleiden  – wer bisher an logopädischen, physiotherapeutischen  oder ergotherapeutischen Maßnahmen teilnahm, bekam in der Regel die volle Aufmerksamkeit seines Therapeuten. Das könnte sich bald ändern. Vorreiter ist dabei die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin. Sie rät ihren Ärzten, Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie vornehmlich als Gruppentherapie zu verordnen – mit einem Hinweis auf die Heilmittel-Richtlinie. Mit entsprechender Begründung können Physiotherapeuten dennoch weiterhin Einzeltherapien durchführen.

Der Hintergrund dieser Aufforderung ist der Versuch, Ärzte vor dem Regress zu bewahren. Denn das Verordnungsbudget der Ärzte wird durch Gruppentherapien deutlich weniger belastet als Einzeltherapien.

Für die Therapeuten hingegen ändert sich nicht viel. Denn sie haben die Möglichkeit, ihren Patienten trotzdem eine Einzeltherapie anzubieten – auch dann, wenn die Ärzte nur eine Gruppentherapie verschrieben haben. Dafür benötigen die Therapeuten keine Zustimmung der Ärzte, sondern müssen sie lediglich darüber informieren.

Die Begründung für die Umschreibung ist dann perfekt, wenn sie sich auf die Lebenswirklichkeit des Patienten bezieht und sich der formale Grund dafür, dass Therapeuten zur Einzeltherapie wechseln, möglichst organisatorischer Art ist. Langfristig als Problem herausstellen könnten sich medizinische Begründungen, wenn nämlich die gesetzlichen Krankenversicherungen die Einzeltherapien absetzen. Das könnten sie dadurch begründen, dass die Therapeuten der Entscheidung der Ärzte zu folgen hätten. Für die Ärzte ist es wichtig, dass die Therapeuten die Verordnungen eigenständig von Einzel- in Gruppentherapien umschreiben, damit im Falle einer späteren Wirtschaftlichkeitsprüfung der Praxen die Ärzte nicht für die höheren Kosten der Einzeltherapien in Regress genommen werden können.

(Quelle:http://www.up-aktuell.de/news/2014/03/physiotherapie-bevorzugt-in-der-gruppe-26659.html)