Gedanken verhelfen der Kommunikation

Gedanken verhelfen der Kommunikation

Der Verlust der Sprache nach einem Schlaganfall ist nur eine von vielen schwerwiegenden Folgen, die das Leben eines Patienten nachhaltig beeinträchtigen können. Neben Lähmungen kommt es häufig auch zu psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen oder Wesensveränderungen, die aufgrund der verminderten Lebensqualität auftreten. Forscher arbeiten seit langer Zeit an Technologien, die Betroffenen ein Stück Normalität zurückgeben sollen.

Sprache durch Gedankenübertragung

Einem Team von amerikanischen Wissenschaftlern der East State Tennessee University ist es beispielsweise gelungen, mit einem ganzkörperlich gelähmten Schlaganfallpatienten zu kommunizieren – nur mit Hilfe seiner Gedanken. Möglich wurde dies durch eine mit Elektroden versehenden Kappe, die seine Gehirnaktivität aufzeichneten, während er Buchstaben betrachtete. Obwohl es eine Weile dauerte, gelang es dem Patienten, eine vollständige Nachricht mittels Gedanken aufzugeben. Inwieweit man damit tatsächlich Schlaganfallpatienten therapieren kann, ist bisher nicht ausreichend erforscht, man hofft jedoch zukünftig Aphasiker damit helfen zu können.

Gedanken können Bewegungen steuern

Auf dem Gebiet der Bewegungstherapie ist die Wissenschaft bereits einen Schritt weiter gegangen und hat Elektroden direkt auf die Hirnhaut von Patienten implantiert. Die Technik, die als Brain-Computer-Interface bezeichnet wird, wurde vom amerikanischen Neurochirurgen Eric Leuthard entwickelt. Damit konnte er bereits Patienten, die beispielsweise durch einen Schlaganfall teilweise oder sogar vollständig gelähmt waren, ein Stück ihrer Beweglichkeit zurückgeben.
Grundlage für diese Erfolge war die Abkehr von der strikten Annahme, dass unsere rechte Gehirnhälfte die linke Körperhälfte und unsere linke Gehirnhälfte die rechte Körperhälfte steuert. Leuthard vermutete, dass die Absicht beispielsweise die linke Hand zu bewegen auch von der linken Gehirnhälfte aus hergeleitet werden kann. Dazu werden durch Gedanken ausgelöste Signale in der linken Hirnhälfte durch die Elektroden so umgewandelt, dass sie die Bewegungsabsicht vermitteln und die Bewegung ausgeführt werden kann.

Theorie und Praxis

Gegenüber der Elektroden-Kappe lassen sich Gehirnsignale mittels Brain-Computer-Interface natürlich präziser festhalten, jedoch ist diese Methode auch um einiges riskanter. Nicht nur, weil dafür invasives Eingreifen in eines der sensibelsten und komplexesten Systeme des Menschen notwendig ist, sondern weil dies zudem mehrmals passieren muss. Denn die Elektroden müssen auf Grund der hohen Infektionsgefahr nach nicht allzu langer Zeit wieder von der Hirnhaut entfernt und erneuert werden.