Im Alter noch eine Sprache lernen?

Im Alter noch eine Sprache lernen?

Heutzutage ist es nicht unüblich, dass Kinder bereits im Kindergarten eine zweite Sprache erlernen. Spätestens in der Schule kommt dann beispielsweise Englisch, Französisch oder Spanisch dazu. Man nimmt an, dass Kinder, vor allem in jungen Jahren, eine Sprache am besten lernen. Doch bedeutet das gleichzeitig, dass man in etwas höherem Alter keine Sprache mehr neu erwerben kann? Ist das Gehirn dann noch in der Lage, Vokabeln und neue Grammatikregeln zu speichern? Oder gibt es ein Ablaufdatum für den (Zweit)Spracherwerb?

 

Das Alter spielt keine Rolle

Nein! Das Lernen einer neuen Sprache ist immer möglich, sagen Sprachwissenschaftler. Zwar erwerben Kinder Sprachen schneller und leichter, jedoch bringt das Alter Vorteile mit sich – man weiß nämlich bereits, wie man am besten lernt und kann so die für das persönliche Weiterkommen sinnvollste Methode wählen. Ein Wissensstand, über den Kinder noch nicht verfügen.

 

Unser Gehirn ist elastisch

Doch nicht immer waren Wissenschaftler dieser Meinung. Bis 2000 dachte man noch, dass die Entwicklung des Gehirns im Kindesalter abgeschlossen ist und sich dessen Struktur dann manifestiert. Doch anfang diesen Jahrhunderts haben unterschiedliche Studien gezeigt, dass unser Gehirn „elastisch“ ist, sich also durchaus verändern kann. Diese Fähigkeit wird in der Wissenschaft Neuroplastizität genannt. Auf Grund dieser Plastizität ist es uns möglich, Neues, beispielweise eine neue Sprache, auch im Alter zu erlernen. Und dabei gilt, je häufiger und länger „trainiert“ wird, desto schneller und intensiver sind die Ergebnisse zu erwarten.

Eine Studie geleitet von schwedischen Forschern zeigte darüber hinaus, dass die Plastizität des Gehirns sich mit zunehmendem Alter nicht verändert, das heißt, ältere Menschen haben ein genauso elastisches Gehirn wie Kinder.

 

Fremdsprachen gegen Demenz

Ein Vorteil, den der Zweit- oder Mehrspracherwerb vor allem im Alter außerdem mit sich bringt, ist der, dass das Gehirn widerstandsfähiger gegenüber Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson wird. Regelmäßiges Training hält unser Denkorgan fit, so wie man es von sportlichen Aktivitäten und deren Auswirkungen auf den Körper kennt.

 

Ein kleiner Wermutstropfen zum Schluss: Einen Unterschied gibt es dann leider doch. Da die Entwicklung der für die Artikulation von Sprache notwendigen Organe tatsächlich im Kindesalter abgeschlossen ist, werden junge Sprecher wohl fast immer eine bessere Aussprache haben. Doch das sollte nicht davon abhalten, seine sprachlichen Fähigkeiten auch im Alter noch auszubauen.