Können wir durch Übertragung von Gedanken kommunizieren?

Können wir durch Übertragung von Gedanken kommunizieren?

Die Technik, mit Hilfe eines Computers gesprochene Sprache in geschriebenen Text umzuwandeln, ist mittlerweile gut entwickelt und verbreitet sich immer mehr. Wissenschaftler des Cognitive System Lab, das inzwischen nach Bremen gezogen ist, beschäftigen sich nun jedoch sogar damit, Gedanken in Text umzuwandeln.

 

Gehirnaktivitäten werden in Text umgewandelt

Tanja Schultz – Leiterin des Cognitive System Lab – sagt jedoch, dass diese Idee, der Informationenübertragung allein durch Gedanken, noch in den Kinderschuhen steckt. Sie und ihr Team arbeiten aber bereits daran Gehirnströme in sprachliche Laute umzuwandeln, um diese dann auf einem Computer als Text darzustellen. Die dafür benötigten Daten haben sie mit Hilfe von Patienten, die an Epilepsie erkrankt sind, zusammengetragen. Dafür wurden den Betroffenen während einer Behandlung Elektroden, angeordnet in einem Gitter, auf das offene Gehirn gesetzt. Während sie dann Sätze laut gelesen haben, wurden die Signale, die im Gehirn entstanden, aufgenommen und später mit der gelesenen Sprache abgeglichen. Mit Hilfe von Algorithmen, die in der Sprachidentifikation genutzt werden, konnten die Forscher dann die akustischen und die neuronalen Signale miteinander verbinden und somit den entsprechenden Lauten die elektrischen Aktivitäten zuordnen. Auf dieser Basis konnten sogar ganze Sätze rekonstruiert werden.

 

Andere Hirnareale bei der Übertragung von Gedanken

Jedoch sehen die neuronalen Aktivitäten beim Sprechen anders aus als beim Denken. Vor allem das Ausbleiben des lautlichen Signals, also der gesprochenen Sprache, macht es schwer, allein aus Gedanken und den damit zusammenhängenden Hirnaktivitäten, Texte zu erstellen. Die Signale, die von Tanja Schultz und ihrem Team analysiert wurden, basieren auf den Hirnarealen, die für die Artikulation, also das laute Aussprechen, zuständig sind. Wenn Gedanken produziert werden, ohne dass es zu einer lautlichen Äußerung kommt, werden sehr wahrscheinlich wieder andere Areale im Gehirn aktiviert.

 

Man kann die oben beschriebene Vorgehensweise bzw. die daraus resultierenden Ergebnisse also nicht einfach auf die Idee, Informationen via Gedanken zu übermitteln, übertragen. Das Lesen der Gedanken wird also auch in naher Zukunft und mit dem momentanen Stand der Forschung nicht realisierbar sein.