Leistungsfähigeres Gehirn durch Bilingualität

Leistungsfähigeres Gehirn durch Bilingualität

Die Verarbeitung von gesprochener Sprache verläuft im Gehirn seriell und inkrementell, das heißt, wenn wir ein Wort hören, beginnen wir bereits ab der ersten Silbe damit, es mit Worten in unserem sogenannten mentalen Lexikon, das alle uns bekannten Worte umfasst, abzugleichen. Nimmt man etwa die Silbe „Ha-“ so werden im Gehirn beispielsweise die Worte „Hafen“ „Hagel“ oder „Hase“ aktiviert, die dann miteinander konkurrieren. Hören wir das Wort dann in seiner Gesamtheit, werden die unpassenden Alternativen aussortiert und das richtige Wort macht das Rennen.

 

Erhöhter Schwierigkeitsgrad bei Bilingualität

Dieses Vorgehen muss bei zweisprachigen Menschen noch besser funktionieren, da Wörter aus zwei Sprachen aktiviert werden und sich so die Zahl der Kandidaten natürlich erhöht. Ein Team von amerikanischen Wissenschaftlern hat sich damit beschäftigt, wie dadurch das Gehirn und dessen Leistung speziell bei bilingualen Sprechern beeinflusst werden. Dazu untersuchten sie die Hirnaktivitäten von insgesamt 17 bilingualen und 18 monolingualen Versuchspersonen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie. Die Aufgabe der Probanden war es, aus vier Bildern, die sie gleichzeitig sahen, jenes rauszusuchen, welches dem Wort, das sie parallel hörten, entsprach. Währenddessen wurden die Gehirne gescannt, um anschießend mögliche Unterschiede zwischen den zwei Probandengruppen zu analysieren.

 

Geringere Aktivitäten im Gehirn

Wie sich zeigt, werden bei monolingualen, also einsprachigen Probanden mehr Hirnareale aktiviert und diese teilweise sogar stärker als bei bilingualen Sprechern. Diese Ausprägung war am stärksten, wenn die Probanden ein dem richtigen Wort ähnliches, jedoch nicht passendes Bild betrachteten. Die Forscher schlussfolgerten, dass Automatismen bei zweisprachigen Versuchspersonen dafür sorgen, dass das richtige Wort schneller gefunden wird. Dies sein ein Resultat des stetigen Trainings der Selektionsfähigkeit bei zweisprachigen Sprechern, die sich dadurch besser auf das richtige Wort bzw. das Wichtige konzentrieren können.

 

Die Fähigkeit, unwichtiges zu ignorieren

Diese Fähigkeit wird mit der inhibitorische Kontrolle, also der Fähigkeit unwichtige Informationen auszusortieren, in Verbindung gebracht, welche eine der wichtigsten Fähigkeiten unseres Gehirns darstellt. Wir benutzen sie jeden Tag beispielsweise um Hintergrundgespräche und -geräusche in der U-Bahn auszublenden, um der Reizüberflutung durch etwa Plakatwerbung auf der Straße zu entgehen oder uns eben voll und ganz auf eine Tätigkeit zu konzentrieren. In der Forschung wird angenommen, dass bilinguale Menschen durch das ständige Konkurrieren zweier Sprachen eine besser inhibitorische Kontrolle besitzen, ihr Gehirn also besser trainiert ist und sich dadurch im Alltag besser bewährt. Es lohnt sich also in zweierlei Hinsicht, eine zweite Sprache zu erlernen.