Schreie – die besonderen Laute

Schreie – die besonderen Laute

Schreie sind einzigartig, das zumindest sagen internationale Neurowissenschaftler des Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. Schreie zeichnen sich durch spezielle akustische Merkmale aus, die produziert werden, wenn Stress oder sogar Gefahr besteht. Als laut, durchdringend und bedrohlich werden sie beschrieben und so kennt sie jeder. Und dieses Empfinden kommt nicht von ungefähr. Schreie zeichnen sich im Vergleich zu anderen menschlichen Lauten durch eine außergewöhnliche Phonetik aus.

Schreie sind rau

Wissenschaftler bezeichnen diese phonetische Besonderheit als „Rauigkeit. Was diese Rauigkeit definiert ist eine Änderung der Amplitude, wodurch eine zeitliche Struktur entsteht. Das menschliche Gehör ist nicht in der Lage, diese Änderung zu verarbeiten. Als Folge dessen wird der produzierte Laut als unangenehm und rau wahrgenommen.
Doch nicht nur Schreie werden als rau empfunden. Auch synthetische Laute, beispielsweise das Klingeln des Weckers, weisen eine ähnliche Frequenz auf (30-150Hz).

Empirische Befunde

In mehreren Experimenten wurden Schreie mit anderen Tönen verglichen und bewertet. In einem ersten Experiment sollten Probanden zunächst selber Schreie oder geschriene Äußerungen produzieren. Anhand dieser Daten ließen sich die Merkmale eines Schreis empirisch festhalten und die zuvor nur in der Theorie wahrheitsgemäßen Aussagen bestätigen.
In einem weiteren Experiment wurden den Probanden Töne vorgespielt, die sie mittels einer Skala nach ihrer Bedrohlichkeit bewerten sollten. Daraus erstellten die Forscher eine Skala speziell für die Rauigkeit eines Schreies. So war es möglich Arten von Schrei in unterschiedliche Kategorien einzuteilen. Die Auswertung dieser Daten zeigt, dass Schreie umso bedrohlicher wirken, je rauer sie sind.

Schreie machen Angst

In einem abschließenden Experiment wurden mittels der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) die Gehirnaktivitäten von Probanden während der akustischen Verarbeitung erfasst. Schreie ebenso wie künstliche Laute (Weck-Alarm) aktivieren die Regionen im Gehirn, die auch beim Empfinden von Angst aktiviert werden.
Die Forscher schlussfolgern, dass Schreie nur eine ganz bestimmte phonetische Nische belegen, sodass sie nur genutzt werden, wenn sie wirklich gebraucht werden.