Sympathie und Sprache

Sympathie und Sprache

Den meisten Menschen ist es möglich, je nach Gesprächssituationen, zwischen Dialekt und Standarddeutsch zu wechseln. Telefonate mit der Familie sind beispielsweise von sächsischer Sprache geprägt, wohingegen ein Termin beim Chef in einwandfreiem Hochdeutsch absolviert wird. Dieses sogenannte Codeswitching hat etwas mit der sprachlichen Anpassung an unseren Gesprächspartner zu tun und geschieht meist bewusst. Doch viele andere Variationen von sprachlichen Parametern werden meist unbewusst vollzogen. So gleichen sich Gesprächspartner beispielsweise in Wort, Betonung und Aussprache im Laufe eines Gesprächs immer mehr – jedoch nur, wenn die Sympathie stimmt. Dieses Phänomen wird in der Sprachwissenschaft als sprachliche Konvergenz bezeichnet und bereits seit den 60er Jahren erforscht. Sie deutet darauf hin, dass man über seine Sprache den Gegenüber beeindrucken und sein soziales Ansehen steigern will. Sympathie ließe sich somit zumindest teilweise über die Sprache steuern.

Das sprachliche Talent

In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass sich einige Menschen jedoch mehr anpassen als andere, doch erst einer deutschen Wissenschaftlerin ist es gelungen, dafür nun erste Gründe aufzuzeigen. Ein Vergleich zwischen sprachbegabten und weniger redegewandten Probanden ergab ein eindeutiges Ergebnis, nämlich dass die Begabung für Sprache einen proportionalen Einfluss auf die Anpassung hat. Somit passen sich sprachtalentiertere Menschen bei Sympathie mehr und besser an ihren Gesprächspartner an. Ob das mit dem Sprachwortschatz oder beispielsweise einer variableren Grammatik zu tun hat, ist jedoch nicht bekannt.

Sprachwissenschaft und Sympathie

Doch das ist vermutlich nur einer von vielen Gründen für sprachliche Anpassung. In Deutschland, genauer gesagt Stuttgart, läuft unter dem Titel „Wie klingt Sympathie?“ ein wissenschaftliches Projekt, das weitere Ursachen ans Licht bringen soll. Forscher arbeiten dort an einem Modell, das neben psychologischen Gründen auch Automatismen in Erwägung zieht. Die zur Entwicklung dieses Modells benötigten Sprachdaten ergeben sich aus knapp 46 Dialogen von vielen verschiedenen Probanden, die in einem Labor aufgezeichnet und in ein Computerprogramm eingespeist wurden. Anschließend folgte ein Persönlichkeitstest, der Aufschluss über den Grad der Sympathie gegenüber dem Gesprächspartner geben sollte. Die Dialoge werden auf phonologische, semantische, syntaktische und pragmatische Merkmale untersucht, um möglichst viele Parameter, die die Anpassung herbeiführen, zu erkennen.

 

Gewonnene Erkenntnisse bieten nicht nur Einblicke in Gesprächsverhalten, sondern lassen auch psychologischen Rückschlüsse zu und bringen uns damit dem Geheimnis Mensch ein Stück näher.