Wie bildliche Sprache unser Gehirn fordert

Wie bildliche Sprache unser Gehirn fordert

Unsere Sprache ist sehr vieldeutig und wir müssen in jedem neuen Gespräch unser Allgemeinwissen in Abhängigkeit zur Sprachsituation anwenden, um sie richtig zu interpretieren. Wir übermitteln beim Sprechen nicht nur Informationen, sondern auch Emotionen und Meinungen. Häufig nutzen wir dafür bildliche Sprache und Redewendungen und geben so einem Gespräch die nötige Lebendigkeit.

 

Was ist bildliche Sprache?

Sowohl Redewendungen, Metaphern und Idiome, als auch Sarkasmus und Ironie werden als bildliche oder auch figurative Sprache definiert. Sie sind feste Bestandteile unseres täglichen Sprachgebrauchs und deshalb auch für Sprachwissenschaftler und deren Forschung sehr interessant.

Bildliche Sprache hebt sich von der „normalen“ rein lexikalischen Sprache ab, da sie semantische nicht einfach anhand der einzelnen Elemente bzw. Wörter analysiert werden kann. Im Gegensatz zu Sätzen wie Ich laufe die Straße entlang wird bildlich Sprache wie beispielweise in Die Katze aus dem Sack lassen anders verarbeitet, indem nicht ausschließlich die linke Hirnhälfte beansprucht wird, sondern auch die rechte Hirnhälfte gleichermaßen beteiligt ist.

 

Wie wird bildliche Sprache verarbeitet?

Diese Erkenntnis verdrängt die bisherige Annahme, dass bildliche Sprache zuerst lexikalisch in seinen einzelnen Einheiten verarbeitet und dann in einem zweiten Schritt als metaphorische Kette analysiert wird (Bei dieser Verarbeitungsstrategie wird tatsächlich nur die linke Gehirnhälfte genutzt). Vielmehr hat sich gezeigt, dass es für das Verständnis von bildlicher Sprache nicht notwendig ist, die einzelnen Worte separat zu verstehen. Man müsse bildliche Sprache vielmehr als feste Einträge im Gehirn ansehen, so zumindest belegen es verschiedenste wissenschaftliche Untersuchungen. Demnach werden Äußerungen wie Alles auf eine Karte setzen im Ganzen gespeichert und dann auch im Ganzen abgerufen.

 

Das visuelle Zentrum

Hören wir also beispielsweise den obigen Satz, öffnen wir eine Schublade in unserem Gehirn, in dem der komplette Satz zu finden ist. Um ihn dann zu verarbeiten, wird neben den bekannten Sprachzentren auch das visuelle Zentrum benötigt, welches sich in der rechten Hirnhälfte befindet. Dies ergab sich aus einer sprachpsychologischen Studie aus dem Jahre 2006, an der sowohl Aphasiker als auch Patienten mit einer Hirnschädigungen auf der rechten Seite teilgenommen hatten. Wie sich zeigte, hatten beide Probandengruppen ähnliche Probleme bildliche Sprache zu verarbeiten, was darauf schließen lässt, dass nicht nur die links angesiedelten Sprachzentren für die Verarbeitung verantwortlich sein können.

 

Untersuchungen wie die oben genannte zeigen, dass man sich mittlerweile von der strengen Auffassung, dass Sprache ausschließlich linksseitig verarbeitet wird, entfernen muss. Denn sobald Sprache bildlich wird, brauchen wir das visuelle Zentrum in der rechten Hemisphäre, um unseren Gesprächspartner zu verstehen.

 

 

Bildquelle: „A picture is worth a thousand words“ von HikingArtist – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons-https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_picture_is_worth_a_thousand_words.jpg#/media/File:A_picture_is_worth_a_thousand_words.jpg