Wie ein Kind das Sprechen lernt

Wie ein Kind das Sprechen lernt

Das Sprechen ist eine einzigartige, menschliche Fähigkeit. Die Kommunikation ist eine der wichtigsten Komponenten des Mensch-Sein. Sie ist unabdingbar und deswegen beginnt der Erwerb von Sprache schon lange vor der Geburt. Bereits im Mutterleib ist der Fötus in der Lage anhand von Prosodie und Intonation die bald eigene Sprache von anderen Sprachen zu unterscheiden.

1. Phase – Das babbelnde Kind

In den ersten 12 Monaten beginnt das Kind bereits eigene Laute zu produzieren. Dabei handelt es sich meist um Nichtworte und simple Lautkombinationen wie dada und bibi, aber auch Mama und Papa können schon geäußert werden. Das Kind fängt an, seine Artikulationsorgane zu testen und entwickelt die für die Muttersprache spezifischen Laute. Außerdem ist es in der Lage Silben-, Wort- und Satzgrenzen zu erkennen.

2. Phase – Die ersten Worte

Ab dem ersten Lebensjahr beginnt das Kind die ersten richtigen Worte zu produzieren. Bis zum 18. Lebensmonat werden rund 50 Wörter erlernt, wobei es sich überwiegend um Nomen handelt. Es wird angenommen, dass um das zweite Lebensjahr rum ein sogenannter Vokabelspurt einsetzt. Dabei erlernt das Kind innerhalb kürzester Zeit einen Großteil von Funktionswörtern, also Verben, Adjektive und weitere Nomen. Diese werden jedoch vielfach noch vereinfacht, sodass beispielsweise Mate als Tomate fungiert oder Fliege auf Fige reduziert wird.

3. Phase – Kindliche Phrasen und Sätze

Mit Erreichen des 3. Lebensjahrs ist das Kind in der Lage, simple Sätze und Phrasen zu produzieren. Dabei nutzt es bereits Pronomen und Auxiliare, Kompositionen und korrekt flektierte Verben, sodass Äußerungen wie Turm gebaut oder Ball ist weg entstehen. Von da an werden nun Grammatik und Ausdruck erweitert und die Komplexität der Sätze erhöht. Mit rund 4 Jahren, sagt man, ist das Grundgerüst der Sprache erworben, das Erlernen der Feinheiten kann aber noch einige Jahre andauern.

Nichts ist in Stein gemeißelt

Generell gilt: Das sprachliche Wissen eines Kindes sollte nicht nur an seiner Produktion gemessen werden. Denn häufig ist das Sprachverständnis, also die Kompetenz, weitaus größer als die Performanz, also das, was produktiv geäußert wird. Außerdem kann die zeitliche Abfolge bei jedem Kind variieren, sich beispielsweise verzögern oder in einigen Phasen deutlich schneller voranschreiten. Auch kindliche Sprachstörungen sind nicht ungewöhnlich und können meist vollständig therapiert werden. Experten empfehlen, ärztlichen Rat einzuholen, sollte sich das Kind im 4. Lebensjahr noch nicht gebührend verständigen können.