Wie Gedanken zu Worten werden

Wie Gedanken zu Worten werden

Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Sie sprechen und bemerken, dass Sie sich noch gar nicht genau entschieden haben, was Sie sagen wollen? Wie werden Gedanken in Sprache umgewandelt und was passiert dabei im Gehirn? Dem sind Sprachwissenschaftler des niederländischen Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik auf der Spur.

 

Die Parallelität von Gedanken und Aussprache

Es ist bereits länger wissenschaftlich fundiert, dass Sprecher eher selten eine Äußerung vollständig in Gedanken planen, bevor sie sie laut aussprechen. Vielmehr werden zunächst nur die ersten Worte im Gehirn konstruiert, bevor der Sprechvorgang beginnt. Die Beendung der zu äußernden Gedanken verläuft parallel zum Sprechakt. Dieser gleichzeitige Ablauf verschiedener Prozess ist deshalb möglich, weil die mentale Planung weitaus schneller vonstattengeht als das Aussprechen der Worte an sich.

Trotz dessen kommt es manchmal vor, dass die Planungszeit zu kurz ist, um den Gedanken voll auszureifen. Dann werden häufig gefühlte Pausen („äh“, „ähm“ etc.) genutzt um die Zeit zu überbrücken. Allgemein funktioniert das parallele Reden und Denken jedoch sehr gut – das ist auch gut so, denn nur dadurch ist es uns möglich Redewechsel in Gesprächen vernünftig zu koordinieren.

 

Unterschiedliche Planungsstrategien

Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik beschäftigen sich nun detailliert mit der Planungsphase, insbesondere mit den Strategien, die Sprecher anwenden, um aus einzelnen Worten eine Äußerung zu formen, die ihre Gedanken widerspiegelt. Die Frage, die sie sich dabei stellen, ist, ob unterschiedliche Situationen unterschiedliche Strategien erfordern und ob die Abläufe bei allen Sprechern gleich sind. Zusätzlich befassen sie sich damit, wie weit Gedanken geplant werden, bevor Sprecher sie äußern.

Dazu führten sie eine Eyetracking-Studie durch, also eine Untersuchung, bei der die Augenbewegungen der Versuchsteilnehmer während des Sprechens aufgenommen werden, um Planung und Aussprache zeitlich miteinander abgleichen zu können. Die Probanden betrachteten dazu verschiedene Bilder, die unterschiedlich komplexe Szenarien darstellten und sollten diese laut nacherzählen.

Es stellte sich heraus, dass das mentale und physische Planungsverhalten abhängig von der Schwierigkeit der abgebildeten Situationen ist. Je schwerer ein Bild zu umschreiben war, desto weniger wurde vollständig geplant, bevor die ersten Worte geäußert wurden. Bei simplen Darstellungen wiederum wurden die Gedanken zuerst gesammelt und vervollständigt, bevor die Probanden zu sprechen begannen. Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass es verschiedene Planungsstrategien zu geben scheint, nicht nur abhängig von der Sprechsituation, sondern auch vom Sprecher selbst. Der Fakt, dass wir, um einen Sachverhalt zu äußern, aus einer Fülle von unterschiedlichen syntaktischen Strukturen und Worten wählen können, bestärkt diese Annahme zusätzlich.

 

Wir machen uns Gedanken, während wir sprechen und wir sprechen, während wir uns Gedanken machen. Eine faszinierende Parallelität, die erneut die Komplexität unserer mentalen Fähigkeiten beschreibt.