Wie Verneinungen unser Gehirn verwirren

Wie Verneinungen unser Gehirn verwirren

Tue das NICHT! Ein Satz, den jeder kennt und vermutlich auch schon einmal selbst geäußert hat. Ein kleiner Selbsttest verrät Ihnen, wie Menschen Verneinungen sprachlich verarbeiten. Befolgen Sie dazu einfach folgendes Szenario:

 

Bitte stellen Sie sich jetzt keine rote Rose vor.

 

Wir verneinen Verneinungen

Trotz der Aufforderung etwas nicht zu tun, haben Sie vermutlich gerade an eine rote Rose gedacht. Dies liegt daran, dass das menschliche Gehirn Wörter wie „nicht“, „nein“ oder „keine“ nur schwer verarbeiten kann. Grund dafür sind fehlende Abstraktionen und Konzepte für Verneinungen. Bei der Verarbeitung wird automatisch der Fokus auf Handlung und die in eine Handlung einbezogenen Personen oder Objekte gelegt. Für das obige Beispiel wäre das die rote Rose. Da es dafür kein negatives bzw. verneintes Pendant gibt, können sie die Verneinung im Beispiel nicht bildlich im Kopf abzeichnen. Es bleibt Ihnen also nichts anderes übrig, als erst einmal an das Objekt, die Rose, zu denken.

 

Wenn unser Gehirn eine Botschaft falsch versteht

Amerikanische Wissenschaftler haben eine Studie durchgeführt, in der sie untersuchten, wie sprachliche Verneinungen unser Gehirn fordern. Dazu wurden die Gehirnaktivitäten von unterschiedlichen Probanden, die verneinte Äußerungen lesen sollten, mittels EEG aufgezeichnet und ausgewertet. Dabei kam erstaunliches zu Tage: Die linke Gehirnhälfte ist für logische und mathematische Aspekte zuständig, die rechte wiederum für Ereignisse, bildliche Darstellungen und Emotionen, so zumindest wird es für Rechtshänder angenommen. Wenn Sie Verneinungen, wie die obige, hören, wird sie zwar in der linken Gehirnhälfte richtig verarbeitet, jedoch, wie bereits zuvor beobachtet, erstellt die rechte Hirnhälfte das Bild der Rose. Die Forscher schlussfolgern, dass das Gehirn durch zwei unterschiedliche Meldungen verwirrt wird, wodurch die endgültige Verarbeitung verlangsamt bzw. gestört ist.

 

Diese Ergebnisse liefern nicht nur einen Erkenntniszuwachs für Kommunikationswissenschaftler, Linguisten und Psychologen, sondern können auch von jedem einzelnen persönlich genutzt werden, um beispielweise Gespräche zu vereinfach und ihnen sogar einen positiven Hauch zu verleihen. Verzichten Sie im Alltag auf Verneinungen, beispielsweise indem Sie in Zukunft lieber „Das ist richtig.“ anstatt „Das ist nicht verkehrt.“ Sagen. Gerade im Umgang mit Kindern ist der direkte und positive Austausch förderlich und gewinnbringend.